Ecu - Stoffwechselbilanzierung
Postkapitalismus braucht eine ökologische Rechnungseinheit.
Kapitalistische Naturzerstörung
„Planeten gibt es viele, unsere Wirtschaft nur einmal“ (Die Partei).
Mit dem Kapitalismus herrscht aktuell ein Wirtschaftssystem vor, in welchem ein Wachstum der Gesamtwirtschaft fest in die Struktur eingeschrieben ist. Diese Festschreibung geschieht auf zwei Ebenen. Erstens ist sie bereits in der Industriellen Revolution angelegt. Durch die steigende Effizienz ist es mit immer weniger Aufwand möglich, immer mehr Natur zu nutzen. Dieses Wachstum führt durch die Konkurrenz und das Privateigentum zu Konkurrenzdruck auf andere Unternehmen. Das Wachstum wird hierdurch zu einem Zwang.
Dieser Wachstumszwang führt zu umfassender Naturzerstörung, wie der exponentielle Anstieg des CO₂-Ausstoßes zeigt. Eine Entkopplung von Wachstum und Naturzerstörung konnte bisher nicht nachgewiesen werden, selbst bei Zusagen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Zudem führt das Profitprinzip dazu, dass bei Einsparungen in einem Bereich (z.B. CO₂-Ausstoß) auf andere Bereiche ausgewichen wird, wie der Abbau von Lithium oder die Atomkraft zeigen.
Postkapitalistische Leerstelle?
Vorschläge für Alternativen zum Kapitalismus konzentrierten sich oft primär auf die Abschaffung und Ersetzung des kapitalistischen Ungleichheits- und Ausbeutungsprinzips. Die Naturzerstörung stand seltener im Vordergrund. (Ausnahmen: Half Earth Socialism und Ökobilanz und kybernetische Wirtschaftsplanung).
Doch der real existierende Sozialismus zeigt, dass die Naturzerstörung nicht automatisch mit dem Ende des Kapitalismus aufhört. In der DDR wurde pro Person sogar noch mehr CO₂ ausgestoßen als in der BRD.
Dies lag zum einen an der Systemkonkurrenz. Im Außenverhältnis herrschte so ein Verhältnis ähnlich dem Wachstumszwang im Kapitalismus. Doch auch unabhängig von dieser Konkurrenz besteht bei unkritischer Umsetzung des Prinzips der technischen Revolution eine große Gefahr der Naturzerstörung. Durch den immer größer werdenden Hebel wird der Eingriff in die Natur und auch ihre Zerstörung immer leichter möglich.
Auch eine postkapitalistische Wirtschaft sollte ihren Umgang mit der Natur und deren Schutz daher immer explizit mitdenken.
In diesem Text mache ich dafür einen Vorschlag. Ich skizziere dabei kein umfassendes Wirtschaftsmodell, sondern entwerfe eher ein Modul, das dann in bestehende Vorschläge, wie etwa Parecon, integriert werden könnte.
Von den ökologischen Krisen sind unter anderem nichtmenschliche Wesen und zukünftige Generationen sehr stark betroffen. Viele Tiere würden komplett aussterben und der größte Teil des Meeresspiegelanstiegs betrifft nur Menschen, die heute noch gar nicht geboren sind.
Die Berücksichtigung der Interessen nichtmenschlicher Lebewesen und zukünftiger Generationen durch „einfache“ deliberative Prozesse erweist sich als nicht so einfach, eben weil sie sich nicht direkt äußern oder verhandeln können. Der Vogel kann eben nicht sprachlich für sich Partei ergreifen.
Ich finde es daher naheliegend, hier auf ein System zurückzugreifen, bei dem weniger direkte Aushandlungsprozesse nötig sind. Ich plädiere hier für eine zentrale ökologische Rechnungseinheit mit einem globalen Limit, die die Einhaltung dieser Grenzen sicherstellt.
Zentrale Rechnungseinheit in Verruf
Gerade die Frage, ob es eine zentrale Rechnungseinheit geben soll, ist sowohl in der Planungswirtschaftsdebatte als auch generell bei der Suche nach postkapitalistischen Alternativen umstritten. Bei vielen Autor*innen aus dem Umfeld des Common-Instituts, aber auch bei Half Earth Socialism wird eine zentrale Rechnungseinheit verworfen. Dabei wird meiner Auffassung nach zu wenig zwischen dem aktuellen Geld und dem Prinzip einer zentralen Rechnungseinheit unterschieden. Unser aktuelles Geld ist eng mit der kapitalistischen Verwertungslogik verknüpft. Es repräsentiert ebendiese sowie starke ökonomische Ungleichheit und geht mit einem Wachstumszwang einher. Gerade für die ökologischen Krisen birgt eine zentrale Rechnungseinheit aber in meinen Augen einiges Potenzial – dann nämlich, wenn sie sich statt auf angebliche Leistungen der Menschen auf die endlichen Ressourcen der Erde bezieht. Zwar gehen durch die Vereinfachung immer auch Informationen verloren, allerdings werden auch Informationen hinzugewonnen. Durch eine zentrale Wahrheitsfunktion (oder Referenzgröße) wird es deutlich einfacher zu argumentieren und durchzusetzen, dass bestimmte Grenzen nicht überschritten werden. Gerade in Bezug auf die Grenzenlosigkeit der Naturzerstörung scheint mir dies die korrekte Wahl zu sein.
Die Aushandlung darüber, wie sich diese Maßeinheit zusammensetzt, würde nur einmal geführt (und bei Bedarf später angepasst). Diese Aushandlung kann und muss so geführt werden, dass sie transparent ist und auch Personen ohne Expertise nachvollziehbar ist. Es müssen auch die Bedürfnisse nichtmenschlicher Lebewesen und noch nicht geborener Menschen mit berücksichtigt werden. Mithilfe dieser zentralen ökologischen Rechnungseinheit soll dann eine Stoffwechselbilanz innerhalb der planetaren Grenzen erfolgen.
Planetare Grenzen
Das Konzept der planetaren Grenzen wurde von einer internationalen Wissenschaftlergruppe um J. Rockström und W. Steffen entwickelt und erstmals 2009 veröffentlicht. Es beschreibt Umweltlimits, innerhalb derer die Menschheit sicher agieren kann, um das relativ stabile Erdsystem, das wir seit dem Holozän kennen und das für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen entscheidend war, nicht unwiederbringlich zu stören.
Dabei wurden neun kritische Prozesse identifiziert und quantifiziert, die die Stabilität des Erdsystems regulieren. Das Überschreiten dieser Grenzen erhöht das Risiko plötzlicher oder irreversibler Umweltveränderungen auf kontinentaler oder globaler Ebene.
Die neun planetaren Grenzen umfassen:
- Klimawandel: Erderwärmung
- Biodiversitätsverlust: Artensterben
- Stickstoff- und Phosphorkreislauf: Überdüngung
- Landnutzungsänderung: Die Umwandlung von natürlichen Ökosystemen in Landwirtschaftsflächen.
- Ozeanversauerung.
- Süßwasserverbrauch durch den Menschen
- Atmosphärische Aerosolbelastung: Luftpartikel mit Klima- und Gesundheitsauswirkungen.
- Eintrag neuartiger Substanzen wie Plastik oder radioaktive Stoffe
- Ozonschicht: Mehr schädliche UV-Strahlung.
Laut dem aktuellen Forschungsstand werden 6 von 9 planetaren Grenzen überschritten (Vgl.: Richardson et al., 2023). Dies sind Klimawandel, Biosphäre, Süßwasser, Landnutzung, biogeochemische Stoffkreisläufe und die Einbringung neuartiger Substanzen.
Das Konzept der planetaren Grenzen ist das aktuell umfassendste und am breitesten wissenschaftlich diskutierte Modell dieser Art.
Ökologische Rechnungseinheit
Doch wie lassen sich die für die gesamte Erde aufgestellten planetaren Grenzen auf einzelne Produktionsschritte oder sogar Produkte abbilden? Zu dieser Fragestellung gibt es bereits erstaunlich viel Wissen, das für diesen Prozess nutzbar gemacht werden kann. Bei der Ökobilanz oder Lebenszyklusanalyse (LCA) werden bereits für viele Produkte ihre Auswirkungen auf mehrere der Kontrollvariablen der planetaren Grenzen untersucht. Dazu gibt es mehrere umfangreiche Datenbanken, in denen für eine große Anzahl von Produktionsschritten oder Natureingriffen (z. B. Rohstoffabbau) aufgeführt ist, wie deren ökologische Auswirkungen aussehen. Diese Informationen können dazu genutzt werden, die Umweltauswirkungen für alle relevanten primären Produktionsschritte zu ermitteln. Die Auswirkungen späterer Produktionsschritte oder die Auswirkungen einzelner Produkte sollen dann innerhalb der Produktionskette selbst errechnet werden. Dazu sind zwei Schritte nötig.
Erstens muss aus den 9 planetaren Grenzen eine gemeinsame ökologische Einheit (Ecological Unit, Ecu) generiert werden.
Zu jeder planetaren Grenze gibt es ein oder zwei Kontrollvariablen, anhand derer der Zustand des entsprechenden Bereiches bzw. das Überschreiten einer Grenze abgelesen werden kann. Damit der Ecu generiert werden kann, muss für jede planetare Grenze jeweils eine Kontrollvariable vorhanden sein, die direkt auf menschlichen Einfluss zurückzuführen ist. Dies ist etwa beim CO₂-Äquivalent der Fall. Auch für die meisten anderen planetaren Grenzen bestehen Kontrollvariablen, die sich auf menschliches Handeln zurückführen lassen.
Die Anzahl der erlaubten Verschmutzungseinheiten pro Jahr (BudgetJ) für jede planetare Grenze wird berechnet, indem die vorindustrielle Konzentration (VK) der jeweiligen Kontrollvariable von ihrer absoluten Grenzmenge (Grenze) abgezogen und dieser Wert durch die durchschnittliche Regenerationszeit (d.h. wie lange Stoffe in der Umwelt verbleiben oder sich Ökosysteme erholen) geteilt wird.
BudgetJco2 = ( Grenzeco2 – VKco2 ) / Regenerationco2
Dann berechnen wir eine Gesamtauslastung (Überlastung)
Gesamtauslastung_t = Summe(Nutzung_tx/Budget_tx) / N
mit N = Anzahl der betrachteten Grenzen und t als einem Zeitschritt (zb 1 Monat)
Alle Indikatoren benötigen einen Ecu-Preis (P(x)).
Die Startpreise in Ecu ergeben sich aus dem aktuellen Verbrauch
Ecuco2 = ( Ecumenge_t / N ) / Nutzung_t0co2
Die Start-Ecumenge (Jahr) wird mindestens als EcumengeZiel gewählt; bei Überlastung zum Start wird sie mit dem Verhältnis der Summen skaliert.
EcumengeJ = EcumengeZiel * max(1, Summe(Nutzung_t0g) / Summe(Budget_t0g))
Die monatliche Ecumenge (Ecumenge_T) sinkt während der Absenkungsphase (Gesamtauslastung > 1) in jedem Schritt (zb Monat) um einen politisch festgelegten Prozentanteil (Deltagesamt, z. B. 1 = 1 %), nicht unter EcumengeZiel/12.
Liegt die Gesamtauslastung ≤ 1, wird die Ecumenge eingefroren; Ecumenge_T bleibt dann auf dem erreichten Niveau.
Damit auch die einzelnen Zwischenpreise stimmen wird pro Zwischenschritt eine QuoteTco2 (und für alle weitern Grenzen) festgelegt.
f steigt in jedem Schritt der Absenkungsphase um Deltagesamt (bis höchstens 1);
liegt die Gesamtauslastung ≤ 1, bleibt f eingefroren.
if f < 1.0:
quote_T[k] = nutzung_t0[k] * (1.0 - f) + budget_T[k] * f
else:
quote_T[k] = budget_T[k]
bzw. als Hilfsgröße je Grenze (nocht nicht in der Preisformel):
Auslastung_tco2 = Nutzung_tco2 / Budget_tco2
Delta_tco2 = Deltagesamt * Auslastung_tco2 / Gesamtauslastung_t
Der Preis muss dann so gewählt werden das die QuoteT möglichst gut getroffen wird. Dazu wird pro Schritt jeweils
Ecuco2 = ( Ecumenge_T / N ) / Quote_tco2
Anschließend wird in jedem Schritt normiert, sodass gilt:
Ecumenge_T = P(co2)*Quote_tco2 + P(HANPP)*Quote_tHANPP + …
Damit ist in jedem Zwischenschritt die Verteilung der Ecumenge auf die Ziel-Quoten gesichert.
Auch die relative Überlastung einer Grenze wird während der Absenkungsphase bereits über die Quote-Interpolation berücksichtigt, so dass Grenzen mit höherer Auslastung stärker Richtung Budget geführt werden. Da bereits von historischen Verbräuchen ausgegangen wurde, wird die Abweichung pro Grenze erstmal in einem erträglichen Rahmen verlaufen.
Allerdings wird hier die Preiselestizität noch nicht berücksichtigt. Wenn es also leichter ist stickstoff zu ersetzen als auf co2 zu verzichten wäre es möglich das stickstoffemmision mittelfristig immer weiter sinkt während co2 relativ teuer verbleibt.
Daher wird wenn genügend historische daten vorliegen (zb ab Preisschritt 5)
Roh_Ecuco2 = Elastikfaktor * ( Ecumenge_T / N ) / Quote_tco2
Als Rohpreis gewählt. Elastikfaktor ist dabei zu Beginn 1 und wird bei Abweichung zwischen Nutzung und Quote angepasst:
Elastikfaktorstart_co2 = Summe(Nutzung_t / Quote_t) / Zeiträume
wenn Nutzung_tco2 > Quote_tco2:
Elastikfaktor_co2 = Elastikfaktor_co2 * (1 + alpha * (Nutzung_tco2 / Quote_tco2 - 1))
Der Elastizitätsfaktor müsste eventuell bei Bedarf noch angepasst werden.
Desweiteren ist noch eine Mechnismus notwendig um Emmissionswerte die sich dauerhaft unterhalb des Zielwertes liegen aus der berechnung auszuschliessen.
Zweitens müssten die einzelnen Produktionsschritte mit ECU-Werten versehen werden. Dazu würden alle primären Produktionsschritte nun auf Grundlage der Daten in den LCA Datenbanken und in Abhängigkeit von den Auswirkungen auf die einzelnen Kontrollvariablen einen ECU-Wert erhalten. Bei jedem weiteren Produktionsschritt müssen die Betriebe für Vorprodukte nun den ECU-Preis verrechnen. Dies ist im Gegensatz zu kapitalistischen Preisen aber eine durchlaufende Rechnungsgröße. Es ist nicht möglich, einen Gewinn zu machen. Kauft ein Unternehmen also Aluminium und Holz und bearbeitet diese mithilfe einer Säge und eines Bohrers unter Zuhilfenahme von Strom zu mehreren Tischen, so muss der ECU-Preis des Aluminiums, des Holzes, des verbrauchten Stroms sowie der beiden Werkzeuge auf die Tische verteilt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, wie viel Ausschuss entsteht oder für wie viele Tische eine Kreissäge reicht, bis sie erneuert werden muss. Betriebe können langfristig nur Güter herstellen, die auch nachgefragt werden, denn im laufenden Betrieb müssen Einnahmen gleich Ausgaben ergeben.
Wenn Investitionen oder neue Produkte eingeführt werden, können ECU-Schulden aufgenommen werden. Für Forschungsprojekte kommen die ECUs direkt vom Staat. Für den Bau einer Fabrik ist ein ECU-Kredit notwendig, dessen Vergabe von der realistischen Rückzahlungsfähigkeit abhängt. Die Rückzahlung erfolgt durch die Umlegung von ECU-Kosten auf die Produkte über einen längeren Zeitraum. Kredite werden nur vergeben, wenn das Produkt als ECU-effizient genug erscheint. Diese Kredite könnten teilweise von einem gemeinnützigen ECU-Bankenwesen vergeben werden, ergänzt durch Direktkreditvergabe ähnlich dem Crowdfunding.
Verteilungsfragen
Der Ecu-Kreislauf schließt sich, indem alle verfügbaren Ecus nun auf alle Menschen und Staaten aufgeteilt werden. Jeden Monat werden dabei neue Ecus zur Verfügung gestellt. Mit diesem Verschmutzungs-Grundeinkommen können so alle Menschen gleich viel an der Verschmutzung der Erde teilhaben.
Staaten müssen für alle ihre Handlungen, die die planetaren Grenzen betreffen, ebenfalls Ecus bereitstellen. Bei einigen Wirtschaftsmodellen besteht der Ecu neben einer anderen Währung.
Ein Handel mit Ecus wäre zwar kein beabsichtigtes Merkmal, aus meiner Sicht, aber wenig problematisch, solange insgesamt wenig Ungleichheit bei den Besitzverhältnissen besteht.
Konsument*innen könnten bei einem vergesellschafteten Bankenwesen einen Ecu-Kredit beantragen, falls triftige Gründe dafür vorliegen. Diese Schulden werden dann vom künftigen Ecu-Einkommen abgezogen.
Eine Verpfändung von noch nicht erhaltenen Ecus an Dritte wäre jedoch nicht legal. Dies würde sicherstellen, dass keine ökonomischen Abhängigkeiten entstehen.
Aufgrund etwa von Krankheiten oder anderen Umständen bedürftigeren Menschen würde dabei auch eine höhere Ecu-Charge ausgezahlt. Der Wunsch, auch mal ein SUV zu besitzen oder Fernweh würde sicherlich weder zu einem Kredit noch zu allgemein höherer Charge führen. Das Ansparen von Ecus, etwa um einen Urlaub auf den Malediven zu ermöglichen, ist dagegen möglich.
Dabei unterscheidet sich das System deutlich von den aktuell praktizierten Fußabdrücken für Konsum.. Die Verschmutzungseinheiten durchziehen vom Konsum ausgehend den ganzen Produktionsprozess und haben damit direkte Auswirkungen auf denselben. Ein Abwälzen des Einhaltens von planetaren Grenzen auf private Konsumentscheidungen würde dadurch eben gerade nicht mehr stattfinden. Das System würde allerdings keine zusätzlich nötige Planung ersetzen. Ob individueller Personenverkehr sowieso komplett abgeschafft wird, kann zusätzlich von vornherein entschieden werden; für alle Bereiche, die grundsätzlich bewirtschaftet werden, erzwingt der Ecu aber eine Produktion im Rahmen der planetaren Grenzen und schafft gleichzeitig eine – auf Naturzugriff begrenzte – Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Menschen.
Ecu-Stoffwechselbilanz als soziale Transformationstechnologie
Neben der Verwendung des Moduls „ökologische Wirtschaftsrechnung“ in postkapitalistischen Wirtschaftsformen könnte es teilweise bereits jetzt implementiert werden. Dies wäre aus meiner Sicht aus zwei Gründen sehr interessant. Zum einen, weil die Anpassung an die ökologische Krise hier auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Statt dass Heizen, Mobilität etc. teurer wird und so Umweltschutz gegen soziale Gerechtigkeit ausgespielt wird, würden alle Menschen dann Ecus bekommen. Statt dass sich für sie etwas verschlechtert, bekämen sie zusätzliche Rechte. Dies ließe sich mM nach auch politisch besser erklären als Preisanstiege. Die Einführung der beschriebenen Maßeinheit wäre auch deswegen interessant, weil es keine beherrschende Gegenerzählung zu einer gleichberechtigten Verteilung gibt. Es scheint daher deutlich einfacher, in diesem Feld durchzusetzen, dass alle Menschen gleich viel bekommen, als Geld umzuverteilen. Dabei hätte diese Einführung voraussichtlich Folgen auch in Bezug auf die jetzigen Besitzverhältnisse. Die Einführung einer solchen Verschmutzungseinheit kann daher auch als soziale Transformationstechnologie verstanden werden.
Der Ecu wäre daher natürlich nur ein Schritt auf dem Weg zu einer demokratischeren und gerechteren Wirtschaft. Solange die bisherigen Eigentumsverhältnisse bestehen bleiben, erscheint es wahrscheinlich, dass auch ein Handel mit dem Ecu erlaubt sein wird. Die Besitzverhältnisse verschieben sich dann vorerst nur geringfügig. Da der Handel mit zukünftigen Ecu-Ansprüchen rechtlich nicht zulässig ist, existiert dennoch eine Rechtsgrundlage für weitere Maßnahmen.